Mehr als die Vergangenheit interessiert uns die Zukunft, denn in ihr gedenken wir zu leben.“

...frei nach...

 

"ALBERT EINSTEIN"

Norddeutschland Alte Salzstraße/Hanseroute & Sellin/Rügen

Nienburg, Lüneburg, Lübeck, Wismar, Stralsund
und Sellin/Rügen vom 23.06.2012 bis 08.07.2012

 

Am 18. Juni 2012 haben wir in BIELEFELD unser Wohnmobil vom Händler übernommen.
Alles war zu unserer Zufriedenheit ausgeführt. Lediglich zwei Kleinigkeiten müssen noch nachträglich eingebaut werden. Die Woche verging mit dem Kennenlernen und Einrichten nach unseren persönlichen Bedürfnissen. Am Freitag war es denn  endlich geschafft. Nur nochmal Fußball (Europameisterschaft) gucken (Deutschland-Griechenland 4:2). Am nächsten Tag sollte es los gehen.

 

Samstag, 23. Juni 2012,

Kilometerstand: 111                                                

 

Die letzten Lebensmittel von einem Kühlschrank in den anderen Kühlschrank geladen, dann kann es endlich los gehen. Gegen 9.30 Uhr sind wir dann vom Hof in Richtung BERSENBRÜCK gestartet. Hier sollen wir Ganzjahresreifen erhalten. Einer unserer Söhne, KFZ-Meister Claas, hat seine Kontakte spielen lassen und uns zu einem super  günstigen Angebot verholfen.

Gegen 11.00 Uhr ging dann die eigentliche Fahrt los. Mit gemütlichem Tempo und unter Vermeidung der Autobahn haben wir unser erstes Ziel, nämlich die Stadt NIENBURG an der Weser angesteuert. Kurz vor 13.00 Uhr erreichten wir den sehr schön gelegenen Stellplatz OYLERSTRASSE erreicht. Der Platz war gut belegt, doch für uns fand sich noch ein Platz mit direktem Weserblick.
 

NIENBURG gilt als eine der Spargelhochburgen Norddeutschlands. Die ehemalige Festungsstadt wartet mit einer kleinen aber sehr sehenswerten Altstadt auf. Los also zu einem Stadtrundgang. Dabei gerieten wir direkt in einen Schützenumzug mit Marschmusik. Welch ein Empfang.

Wir waren von der Stadt NIENBURG mehr als überrascht. Eine gemütliche, schöne Altstadt mit sehr vielen historischen Häusern und vielen kleinen, liebevoll mit Blumen geschmückten Hinterhöfen.

Sonntag, 24. Juni 2012,
Kilometerstand: 111

 

Wir haben fantastisch gut geschlafen. Das Bett in unserem Wohnmobil ist sehr bequem, auch wenn man kleine Hüft- und Rückenbeschwerden hat, liegt es sich gut. Ein Erfolg.

 

Nach einem gemütlichen Frühstück sind wir nochmals die kurze
Entfernung zur Altstadt gelaufen. Richtige Sonntagsruhe in diesem schönen Ort. Nur die Bäckereien haben regen Geschäftsbetrieb.

 

Am Nachmittag setzte heftiger Regen ein. Nur gut, dass wir schon am Vormittag unsere Ver- und Entsorgung erledigt haben. Noch ungewohnt dauerte alles etwas länger. Aber das wird schon.

 

Montag, 25. Juni 2012,
Kilometerstand: 418

 

In der Nacht hat es richtig gestürmt. Uns hat das aber wenig gestört. Waren wir doch wohlbehalten untergebracht. Langsam stellt sich ein wenig Routine ein.

Nach einem guten Frühstück sollte es weiter gehen in Richtung LÜNEBURG. Wir wollten über UELZEN fahren und uns dort den HUNDERTWASSERBAHNHOF ansehen.

 

Nur noch kurz einkaufen, Supermarkt und Baumarkt sind in NIENBURG dicht beim Stellplatz. Ver- und Entsorgung erledigen, dann geht es los. Bei gemütlicher Fahrt erreichten wir gegen 12.30 Uhr, nach ca. 1 1/2 Stunden Fahrt, UELZEN.

Ganz in der Nähe der Innenstadt wurde ein Parkplatz schnell gefunden. Auf zum HUNDERTWASSERBAHNHOF. Es ging ein Gewitter mit Platzregen nieder. Was uns nicht umbringt macht uns härter, so unsere Devise. Also weiter zum Bahnhof. Die nassen Füße haben sich gelohnt. Ein toller Bahnhof. Der Beweis dafür, dass Zweckbauten auch künstlerrisch- ästhetisch sein können. Unser Abstecher nach Uelzen hat sich voll gelohnt.

Gegen kurz vor 15.00 Uhr haben wir dann den Stellplatz SÜLZWIESEN in LÜNEBURG erreicht. Ein sehr großzügiger Platz mit reichlich Rangierraum. Mit einigen heftigen Regenschauern wurden wir begrüßt.

 

LÜNEBURG war im Mittelalter eine der reichsten Städte in Norddeutschland. Der Salzhandel bescherte der Stadt Reichtum und Macht. In den Siedehütten der 1980 stillgelegten Salinen wurde Salz gesiedet und über die ILMENAU verschifft. LÜNEBURG fasziniert seine Besucher mit prächtigen Patrizierhäusern und den charakteristischen Backsteingiebeln. Den Marktplatz beherrscht das
mittelalterliche Rathaus.

 

Nach dem Regen zog es unweigerlich erst mal zu einem ausführlichen Stadtrundgang. Ein heftiger Gewitterschauer machte allerdings schnell einen Strich durch die Rechnung. Erst nach dem Abendessen war ein Spaziergang möglich. Der allerdings viel überwältigend aus.

 

Dienstag, 26. Juni 2012,

Kilometerstand: 418                                              

 

Heute sollte nun LÜNEBURG ausführlich erkundet werden. Am Vormittag machten wir uns auf den kurzen Weg zur Altstadt. Das Wetter war nicht so richtig optimal, doch es regnete wenigstens nicht, jedoch die Temperaturen hätten sich wohl an dem Monat Juni orientieren dürfen.

 

Bereits gestern war der erste Eindruck überwältigend. Heute, bei geschäftigem Treiben, wussten wir gar nicht wo wir zuerst hin schauen sollten. Eine wunderschön erhaltene Altstadt mit einer baulichen Sehenswürdigkeit nach der Anderen. In seiner Blütezeit muss in Lüneburg wirklich das große Geld verdient worden sein .
Glücklicherweise ist man sich hier dieses Schatzes bewusst und hält das Ganze gut in Stand.

Mittwoch, 27. Juni 2012,
Kilometerstand: 418

 

Wir haben in LÜNEBURG viel gesehen. Was fehlte ist das DEUTSCHE SALZMUSEUM. Auf also die wenigen Schritte dorthin gelaufen. Das DEUTSCHE SALZMUSEUM schildert die Produktion des Goldes der Stadt auf eine sehr eindrucksvolle Art. Praktisch
von der Solegewinnung bis zum fertigen Sack Salz ist alles sehr anschaulich und leicht nachvollziehbar geschildert. Das Salz begründete den Reichtum der Stadt. Es wird aber auch geschildert, wie schon zur damaligen Zeit Konkurrenz den Verlust von Macht und Reichtum einleitete.

 

Wir entschlossen uns heute noch weiter zu fahren. Die Hansestadt LÜBECK sollte das Ziel werden. Noch Ver- und Entsorgen, noch einen kleinen Einkauf, dann verabschiedete LÜNEBURG uns wie es uns begrüßte, mit Regen.

 

Für die Fahrt nach LÜBECK haben wir nur Nebenstraßen genutzt. Über MÖLLN und RATZEBURG erreichten wir LÜBECK-TRAVEMÜNDE gegen kurz vor 15.00 Uhr. Sehr freundliche
Aufnahme fanden wir auf dem Stellplatz „AN DER HÜLSHORST“. Ein wenig Regen ließ sich auch hier nicht vermeiden, doch ein anständiger Spaziergang war doch drin.

 

Der Stellplatz „AN DER HÜLSHORST“ verfügt auch über ein Restaurant in einem Bowlingcenter. Wir werden es testen. Danach noch Fußball gucken (Europameisterschaft Spanien-Portugal).

Spanien ist also weiter und steht im Endspiel. Mal sehen wer der Gegner sein wird. Das Essen im Restaurant war übrigens absolut ok. und das Preis- Leistungsverhältnis stimmte hier. Wir waren zufrieden.

 

Donnerstag, 28. Juni 2012,

Kilometerstand: 523                                            

 

Heute stand LÜBECK auf dem „Arbeitszettel“. Mit dem Linienbus, der direkt vor dem Stellplatz abfährt, ging es in etwa 10 Minuten in die Altstadt. Im Touristenbüro beim HOLSTENTOR wurden wir mit einem Stadtplan und den Karten für eine Stadtrundfahrt versorgt. In einer einstündigen, sehr informativen Fahrt wurde uns nicht nur die Geschichte LÜBECKS nahegebracht, auch fast alle Sehenswürdigkeiten wurden ausführlich gezeigt und erläutert. Wir haben schnell erkannt, dass wir unmöglich alles in LÜBECK sehen und besichtigen können. Natürlich reicht auch ein Tag bei weitem nicht aus, es werden für uns mindestens zwei Tage werden. Wir müssen und wollen uns auf einige wenige, typische Dinge konzentrieren. Dazu gehören die GÄNGE. Es sind eine Art Hinterhöfe, in denen kleine Häuschen gebaut wurden.
Ursprünglich wohl wegen der platzbedingten Wohnungsnot. Jetzt sind es liebevoll gepflegte und sehr begehrte Wohnungen.

Freitag, 29. Juni 2012,

Kilometerstand: 523     

 

Deutschland ist nun raus. Raus aus der Europameisterschaft. Ok, mehr Zeit sich den Reisedingen zu widmen.

 

Mit dem ganz großen Wagen (Bus) sind wir auch heute in die Altstadt gefahren. Es war sehr warm, richtig schwül. Doch wir waren sehr zufrieden. Das erste Mal seit wir mit unserem neuen Wohnmobil unterwegs waren, kein Regen, nicht mal ein
kleiner Schauer. Das erfreut das Herz.

 

Neben vielen weiteren Sehenswürdigkeiten haben wir uns heute besonders für das „HEILIGEN-GEIST-HOSPITAL“ interessiert. Es
ist eines der ersten gotischen Krankenhäuser in Europa. Später wurde es als Alterssitz genutzt. Typisch sind die kleinen Wohnzellen, in denen es eine sehr strenge Geschlechtertrennung gab. Selbst Ehepaaren wurde das gemeinsame Leben verwehrt. Keuschheit war Pflicht, ebenso siebenmaliges Beten täglich. Nicht aus zu denken, was es noch für Reglementationen gegeben haben mag. Dieses Altersheim war noch bis in die 1970er Jahre in Betrieb.

 

Gegen Abend wurden wir von einem heftigen Gewitter erreicht. Da war er wieder, der Starkregen. Anne machte aus der Not eine Tugend und kochte ein schönes Abendessen. Mich versorgte sie mit meinem Leib- und Magengetränk, einem OUZO. Mit dieser Denkhilfe gelingen mir mitunter die tollsten Sätze. Es hängt jedoch stark von der Menge ab.

Samstag, 30. Juni 2012,

Kilometerstand: 590     

 

Nach dem Regen ist vor dem Regen, sollte man meinen. Dem war aber nicht so. Eine ruhige Nacht ohne Regen, Lüftungen weit auf, wir konnten sehr gut schlafen.

 

Nach dem üblichen morgendlichen Rhythmus erfolgt noch die

Ver- und Entsorgungsprozedur. Alle Abläufe sind nun nach einer Woche in unserem Wohnmobil zu einer gewohnten Routine geworden und gehen mit Leichtigkeit von der Hand.

 

Heute wollten wir gen WISMAR starten. Kurz vor 10.00 Uhr ging es dann auch los. Noch kurz zu Feinkost ALBRECHT, Wasser und Wein nachordern, ein wenig Lebensmittel noch dann, so bei 10.30 Uhr verließen wir Lübeck.

 

Die Route wählten wir wieder ohne Autobahn. Immer schön der HANSEROUTE folgend, fuhren wir über DASSOW und GREVESMÜHLEN bis nach WISMAR. Unseren Stellplatz in Wismar am Schiffbauerdamm 12 erreichten wir gegen 11.30 Uhr.

 

Der „WOHNMOBILPARK WESTHAFEN“ war sehr gut besucht, man könnte auch sagen fast voll. Wir jedoch fanden noch einen schönen Stellplatz. Der Platz liegt ruhig, doch sehr Altstadtnahe.

 

WISMAR verzaubert den Besucher mit Hafenromantik und Hafentradition, Seefahrt und Fischerei und sorgfältig restaurierten Bürgerhäusern, mit Denkmalen der Backsteingotik.

 

Noch ein Wort zum Wetter: Ja, wo sind wir denn? Angenehme 24°, lockere Bewölkung, Sonne und eine warme leichte Brise. So kann es bleiben. Da erste Mal haben wir unsere Sonnenmarkise ausgefahren. Welch luxuriöser Tag.

 

Ein ausführlicher Spaziergang durch WISMAR folgte. Hafen und Altstadt sind dicht beieinander. Zu unserer großen Freude fand auf dem Marktplatz das „HANSE WEINFEST“ statt. Ein stimmungsvolles Weindorf war errichtet worden, dazu Musik und viel Traditionelles. Die Honoratioren der Stadt schwangen launige Reden. Unser Interesse richtete sich mehr auf den Stand eines fränkischen Winzers. Endlich einmal wieder ein Glas Rotling und das im hohen Norden. Bis weit in den Abend hinein genossen wir die schöne Atmosphäre beim Weinfest in WISMAR.

 

Es war immer noch so schön warm, wir konnten bis weit nach Mitternacht bei unserem Wohnmobil draußen sitzen und noch eine Flasche Wein genießen.              

Sonntag, 01. Juli 2012,
Kilometerstand: 590

 

Der Tag begrüßte uns auch heute mit idealem Wetter. Angenehme Temperaturen, nur leicht bewölkt und ein wenig Wind. Bestes Wetter also für einen beschaulichen Sonntagsspaziergang. Wohin? Natürlich nochmals WISMAR.

 

Ein wenig sonntäglich verschlafen wirkte die Stadt schon. Nur einige Touristen waren schon vor Ort. Wir schauten uns die besonders eindrucksvolle ST. NIKOLAI KIRCHE an. Die Kirche wurde schon im 14. Jahrhundert begonnen. Das Mittelschiff
misst immerhin 37 Meter Höhe. St. NIKOLAI war die Kirche der Schiffer und Fahrensleute.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Lesen und Reisebericht schreiben. Die Bewölkung nahm etwas zu, jedoch blieb es angenehm warm. Abends sollte sich entscheiden wer denn nun Europameister werden sollte. Wir werden sehen. Deutschland
jedenfalls nicht.

 

Montag, 02. Juli 2012,
Kilometerstand: 747

 

Spanien hat es nun wiedermal geschafft. Sie sind Europameister und das verdient. Nun hat die liebe Seele erstmal Ruhe. Pünktlich mit dem Spielbeginn fing es an zu regnen. Nur leicht, doch dafür die ganze Nacht. Kein Problem wenn man am nächsten Tag mit Sonnenschein geweckt wird. Nach der morgendlichen Prozedur machten wir uns gegen 9.30 Uhr auf nach STRALSUND.

 

Weitgehend ohne Autobahn, auf teilweise lebhaften Nebenstraßen, erreichten wir den Stellplatz „AN DER
RÜGENBRÜCKE“ gegen 12.30 Uhr.

Die ST. NIKOLAI KIRCHE in STRALSUND ist nach dem Vorbild der Kathedralen im Mittelalter erbaut worden. Sie ist Zeugnis einer früher sehr reichen Hansestadt. Bis heute prägt das Bild der doppelten Türme den Marktplatz. Die Stadtanlage mit ihrem Wechsel von Straßen, Plätzen und Vierteln ist typisch für eine Seehandelsstadt nach lübischem Vorbild. Die Altstadt von STRALSUND ist in der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO enthalten. 

Der Stellplatz ist ca. 3 Kilometer von der Altstadt entfernt. Bei schönem Wetter sind wir diesen Weg gerne gegangen. In der Altstadt beeindrucken natürlich die große ST. MARIEN KIRCHE, die ST. NIKOLAI KIRCHE, das RATHAUS sowie das Häuserensemble am „ALTEN MARKT“.

 

Zufällig liefen wir an einer kleinen Bimmel-Bahn für Touristen vorbei. Wir ließen uns auf einer Stadtrundfahrt STRALSUND professionell erläutern. Eine Entscheidung die wir nicht bereuten.
Viele Hintergrunderläuterungen ergänzten die anschaulichen Sehenswürdigkeiten.

 

In den letzten Tagen sind wir zu wahren Kirchgängern geworden. Die Baukultur, dieser meist in Norddeutschland imposanten Bauwerke, hat es uns angetan. Das, obwohl wir es mit dem Glauben eigentlich nicht so haben. Der „liebe Gott“ wird es uns hoffentlich verzeihen.

Dienstag, 03. Juli 2012, 

Kilometerstand: 797

 

Die Nacht haben wir trotz der Nähe zur Bundesstraße nach RÜGEN sehr gut verbracht. Es wurde auch für die Nacht Regen angekündigt. Gut das wir nicht gewartet haben, es blieb trocken.

 

Nach einem guten Frühstück fragte ich Anne: Was machen wir heute? Ihre Antwort: Erstmal zu PENNY. So wurde auch verfahren. Der Penny-Laden lag ganz in der Nähe zum Stellplatz. Brot, Käse, Gemüse und Obst fehlten im Bestand unseres Wohnmobils. Ich sorgte mich mehr um den Weinvorrat.

 

Gegen 10.00 Uhr verließen wir STRALSUND in Richtung RÜGEN. Als Ziel hatten uns den Ort SELLIN ausgesucht. Nach der ganzen Backsteingotik und der vielen Besichtigungen wollten wir noch ein bisschen relaxen.

 

Auf RÜGEN sind wir nicht den direkten Weg gefahren. Wir nahmen einen kleinen Umweg in Kauf, wurden dafür aber auf einem Teilstück der „DEUTSCHEN ALLEEN STRASSE“ mit reizvollen Ausblicken belohnt. Wir steuerten den Reisemobilhafen SELLIN an und fanden überaus freundliche und zuvorkommende Aufnahme.

Nach unserer Installation auf dem Stellplatz, war die Neugierde auf den Ort so groß, dass wir uns sofort aufmachten zur Besichtigung. Zunächst den SÜDSTRAND, der ganz in der Nähe des Stellplatzes ist. Danach den Ort SELLIN. Auch nur einen kleinen Spaziergang entfernt.

 

So wie wir uns einen Urlaubsort auf RÜGEN vorgestellt haben, traf alles ein. Wunderschön restaurierte, herrschaftliche Gebäude, flanierende Urlauber und als Krönung dann noch die SEEBRÜCKE. Man könne sich auch in einen Roman der Autorin Hedwig Courths-Mahler oder in die Zeit Fontanes zurück versetzt fühlen. In der
Ferne war unüberhörbar das Gepfeife des „RASENDEN ROLAND“ zu hören. Für heute, so der Beschluss, haben wir genug gesehen und erlebt. Noch ein wenig Kuchen vom Bäcker und dann Richtung Wohnmobil. Kaffee und Tee sind schnell zubereitet, dazu der frische Pflaumenkuchen. Ein Gedicht.



 

Doch es kam anders. Gegen späten Nachmittag verspürten wir Lust auf einen kleinen Spaziergang. Er führte uns direkt an den nur wenige Schritte entfernten Bahnhof von SELLIN. Eine gemütliche Bahnhofsgaststätte lud im Sonnenschein zum Verweilen ein. Wir waren leicht zu überzeugen. Ein oder zwei oder auch drei Bier, dazu dann der „RASENDE ROLAND“, ein Eisenbahnfeeling wie wir es noch aus unserer Kindheit kennen.

Mittwoch, 04. Juli 2012,
Kilometerstand: 797

 

Schon kurz nach dem Aufstehen hören wir die Dampfpfeife des „RASENDEN ROLAND“, die RÜGENSCHE BÄDER BAHN (RBB), laut. Wir wollten nicht nur hören, wir wollten mitfahren. Unser Ziel sollte PUTBUS sein. Schnell die Fahrkarten gekauft, dann ging es los.

 

Den „RASENDEN ROLAND“ konnte man nicht nur hören, mit ihm fahren, nein, man konnte ihn auch riechen. Dampfeisenbahn wie zu unseren Kindertagen mit manchmal pechschwarzem Rauch. Der Dampfgeruch war uns von früher wohl bekannt. Diesel- oder E-Loks waren in unserer Gegend eher unbekannt. Mit viel gefauche ging es Richtung PUTBUS.

 

PUTBUS wurde früher die „Weiße Stadt“ genannt. Der Begründer, FÜRST WILHELM-MALTE I. ZU PUTBUS, verfügte, dass alle Häuserfronten weiß zu streichen seien. Das Stadtensemble sollte zu seinem Schloss und dem Park mit Gebäuden passen. Vor den Gebäuden sollten, so der Fürst, Rosen als farblicher Kontrast gepflanzt werden. Dieses Bild findet sich auch im Putbus von 2012 wieder.

 

Bemerkenswert ist die im Schlosspark gelegene SCHOSSKIRCHE. Ehemals als Tanz- und Kursalon erbaut, wurde sie zur Kirche 1891/92 umgebaut. Sie besticht durch eine schlichte Eleganz.

 

Mit dem „RASENDEN ROLAND“ ging es mit immerhin 30 KM per Stunde wieder zurück nach SELLIN. Nicht ohne vorher im Bahnhofsrestaurant von PUTBUS bei einem Italiener die wohl beste Pizza seit langem gegessen zu haben.

 

Den späteren Nachmittag verbrachten wir vor unserem Wohnmobil mit „Füße hoch“ und Kaffee und Tee.

Donnerstag, 05. Juli 2012,

Kilometerstand: 797

 

Nachdem wir etwas länger und sehr gut geschlafen haben, wollten wir heute den Tag mit einem ausführlichen Spaziergang
ausfüllen. Auf der sehr schön ausgebauten Strandpromenade liefen wir in den Nachbarort BAABE. Aus unserer Sicht ein typischer, etwas verschlafener Kurort. Sehr schöne Häuser, gut sichtbares Bemühen Seebadatmosphäre zu schaffen, jedoch
scheint es nicht so gelungen wie in SELLIN. Von BAABE sind wir zurück nach SELLIN marschiert und dort auf dem HOHEN UFERWEG an der Steilküste entlang, bis zur SEEBRÜCKE gelaufen. Für uns Flachlandtiroler sehr erstaunlich, es ging ganz
schön hoch und runter. Eine durchaus anstrengende Angelegenheit. SELLIN entschädigte dafür wieder mit seiner eigenen Atmosphäre zwischen sehr ruhig und teils quirlig. Zwischen 1900. Jahrhundert und modernem Tourismus.

 

Den Nachmittag genossen wir wieder auf dem Stellplatz bei unserem Wohnmobil. Noch ein Wort zum Wetter: Es war seit Tagen trocken nur die Temperaturen wollten sich nicht an dem Monat Juli orientieren. Zudem hielt sich heute ein zäher Seenebel auf der Ostsee. Er machte es der Sonne nur sehr sporadisch möglich zu scheinen.

Freitag, 06.Juli 2012,

Kilometerstand: 1069

 

In der Nacht hat es richtig gegossen. Bis in die Morgenstunden hinein teilweise sintflutartig. Doch zum Aufstehen war der Spuk vorbei. Alles noch ein wenig nass, auch die von uns vergessenen
Handtücher.

 

Nach dem Frühstück mit Brötchen und den Ver- und Entsorgearbeiten sind wir gegen 9.00 Uhr gestartet. Da sich unsere Reise so langsam dem Ende zuneigte, ging es an diesem Tag wieder Richtung Westen. PRITZWALK war auserkoren.

 

Aus dem Wohnmobil sah das Wetter scheußlich aus. Die Natur schön grün, doch der Himmel wie im November, grau und dunstig. Es war jedoch richtig schwül.

 

Nach einer ruhigen Fahrt über tolle neue Autobahnen, sind wir um ungefähr 12.45 Uhr in PRITZWALK angekommen. Dicht bei der Altstadt befand sich ein sehr großzügig ausgebauter, neuer Stellplatz mit allem was man so braucht. Um diese Zeit waren wir das einzige Wohnmobil.

Hier war es deutlich wärmer, 28° und schwül, leicht wolkiger Himmel.

 

PRITZWALK hat wenig Spektakuläres zu bieten. Brandenburgische Provinz halt. Uns hat es gefallen. Nach all den  Erlebnissen der Tage vorher, war es wohltuend einfach.

 

Am späteren Nachmittag trat ein was kommen musste. Regen, Gewitter, ja fast Unwetter. Der ganze Spuk dauerte nicht einmal eine viertel Stunde, dann wieder das von hier schon gewohnte schwüle Sommerwetter. Es gibt also doch Sommerwetter.

 

Gegen Abend genossen wir noch ein (oder zwei) schöne Bier in einem nahen Biergarten mit Museum.

 

Samstag, 07.Juli 2012,

Kilometerstand: 1366

 

Die Nacht über regnete es gelegentlich leicht. Das störte uns aber wenig. Morgens wurden wir mit schwülem Wetter und bedecktem Himmel geweckt. Frühstück, Ver-und Entsorgung klappten wunderbar. Kein Wunder. Der Bäckerladen ist wenige Schritte vom Stellplatz entfernt und bei der Entsorgungsstation brauchten wir uns nicht anstellen. Wir waren immer noch das einzige Wohnmobil auf dem Platz. Bei der Stellplatzqualität eigentlich nicht verständlich.

 

Kurz nach 9.00 Uhr starteten wir gen STADTHAGEN. Unser Sohn Christian wohnt dort in der Nähe, wir haben ihn und seine Familie länger nicht gesehen. Auf unserer Rückreise wollten wir die günstige Gelegenheit zu einem Treffen gerne nutzen.

 

Weitgehend benutzten wir Bundes- und Landstraßen. Alle in einem tadellosen Zustand, so war gemütliches Fahren angesagt. Um HANNOVER herum sind wir auf die Autobahn ausgewichen um dann schlussendlich so kurz vor 14.00 Uhr in STADTHAGEN anzukommen. Die Stadt begrüßte uns mit einem ausgewachsenen Gewitter mit Starkregen. Das nasse Wetter nutzte Anne um etwas zum Mittag zu machen. Sie hatte selbst eingefrorenen Braten dabei. Eine große Freude ist ihr Essen immer. Nur heute, sie hat sich wohl bei der Beschriftung geirrt, war doch nur die Bratensoße in unseren Froster gelangt. Nichts also mit Braten. Es gab Nudeln mit Bratensoße verlängert mit Bockwurst. Ging auch, nicht mal schlecht.

 

Am Nachmittag kam unser Sohn mit Familie. Wir konnten inzwischen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen vor unserem Wohnmobil gemütlich sitzen. Es gab viel zu erzählen, wie man sich denken kann.

 

Abends sind wir noch bei einem örtlichen Griechen eingefallen. Somit haben wir die „griechische Wirtschaft“ in Stadthagen mit unterstützt.  

Sonntag, 08. Juli 2012

Kilometerstand: 1478

 

Geweckt wurden wir mit herrlichem Sonnenschein. Es war warm und ein wenig schwül. Unsere letzte Etappe der Reise sollte jetzt beginnen. Kurz nach 10.00 Uhr verließen wir den Stellplatz in STADTHAGEN in Richtung Heimatort.

 

Auch heute wählten wir die Nebenstraßen. So ging es völlig gelassen bis nach HOLLAGE, wo wir wohnen. Kurz vor dem Ortschild passierte was uns auf dieser Reise ständig passierte. Es fing fürchterlich an zu gießen. Wir parkten unser Fahrzeug eben nach 12.00 Uhr im Starkregen vor unserem Haus. Die wenigen Schritte zum Haus waren erst nach einer gehörigen Wartezeit möglich.

Fazit



 

Diese Reise war die Jungfernfahrt mit unserem Wohnmobil. Unfreiwillig hatten wir Gelegenheit alle technischen Einrichtungen zu testen. Selbst die Heizung war zeitweise dringend nötig. Die  gesamte Technik und alle anderen Einrichtungen funktionierten ohne Mängel. Lediglich das hölzerne Abdeckbrett über dem Spülbecken wölbte sich bedenklich. Das jedoch wird bei unserem Lieferanten sicherlich nicht zu einem größeren Garantiefall Streitpunkt werden.

 

Anne und ich haben uns schnell an das Leben im Wohnmobil gewöhnt und es von Anfang an genossen. Die spontane Entscheidung für dieses oder jenes Ziel hat uns sehr gefallen.

 

Gerne hätten wir die Reise noch verlängert, aber ein wichtiger Termin ist in der kommenden Woche noch wahrzunehmen, nämlich das monatliche Treffen mit meiner Band.

 

Sehr erfreulich war der Dieselverbrauch. Er lag bei ganz knapp über 10 Liter per 100 Kilometer. Ein sehr guter Wert.

 


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